Ja, an dem Morgen war dann wohl etwas mehr Arbeit im Zwinger, als wie sonst, für meinen dann wieder zukünftigen Herrn angesagt. Das ganze war ja eigentlich noch halb so wild, hatte ja nur aus Trotz und Langeweile die, zum drauf liegen, an einem Pfosten angeschraubte Holzpritsche abgerissen und zum Teil zerlegt. Die Pritsche wieder zu reparieren, war eh nicht unbedingt der Mühe wert, wurde von mir dann noch des öfteren missbraucht. Für die verbogenen Wellengitterstäbe der vorderen Zwingerabtrennung war dann schon etwas mehr Zeitaufwand von Nöten, ansonsten bestand ja Ausbruchgefahr. Sämtliche Abtrennhölzer, wo eben dranzukommen war, wurden nach und nach auch zerbissen. Sie mussten dann mit Leichtmetallschienen abgesichert werden, alle Abtrenngitter benötigten einer zusätzlichen Befestigung. In den ersten zwei Wochen Zwingeraufenthalt war dann grundsätzlich so gut wie jeden Morgen eine Stunde Reparaturmassnahme vorprogrammiert. Mir fiel aber immer wieder was neues ein, womit ich meinen Züchter ärgern konnte.
Als dann der Zwinger wohl endlich niet und nagelfest gewesen schien, bog ich dann noch die Plexiglasscheibe, die als aufschiebbares Fenster in der Durchgangstür zum Aussenzwinger diente, aus ihrem über drei Seiten eingefassten Holzrahmen. Die offene Seite musste dann noch mit einer Edelstahlschiene abgesichert werden, sodass die Scheibe nun endlich an ihrem dafür vorgesehenen Platz verblieb!
Die ganze Flüche und Beschimpfungen, die ich mir in dieser Zeit anhören musste, konnten mich nur wenig beeindrucken. Fing dann hin und wieder damit an, meinen Züchter anzubrummen, zu drohen, wodurch der sich aber wiederum auch nicht beeindrucken ließ. Er kam dann immer ganz schnell und gezielt auf mich zu, ohne geringste Unsicherheit zu zeigen, aber auch ohne ernsthafte Bedrohung mir gegenüber! Nun gut, so lernten wir uns in der folgenden Zeit gegenseitig zu respektieren.
Meinerseits war ich natürlich altersbedingt, jetzt so richtig in der Draufgängerphase, ziemlich grob im Spiel und das Anspringen und Armebeissen, zumindest bei Fremden, klappte fast immer noch so gut wie früher. Weiterhin ging es für mich jetzt darum, sich gegenüber den anderen zwei Rüden durchzusetzen, was bei dem DSH auch weiter kein Problem war. Der ging eigentlich grundsätzlich allem Ärger aus dem Weg, war auch ein ganz lieber Kerl.
Um die Mittagszeit ging es dann jeden Tag raus, in die Natur, zum Freigehege. Dort stand uns genügend Zeit und Auslauf zur Verfügung, um sich so richtig auszutoben, was für einen Wolfshund auch angebracht sein muss! Nun war aber auch die Gelegenheit gegeben meine vermeintlichen Konkurrenten "Lobo" etwas besser kennenzulernen, bzw. zu testen. Bei meinem Durchsetzungsvermögen, durfte es ja eigentlich da keine Problem geben, was sich dann auch schliesslich im Laufe der Zeit so bestätigte. Ausser dem üblichen Machtgehabe (aneinander Hochsteigen, Füße auflegen, Aufsteigen usw.), kamen wir ganz gut miteinander aus. Es hatte jeder so seine eigenen Tricks auf Lager. Der DSH "Zabu" hielt sich die meiste Zeit etwas entfernt von uns auf. Er kam auch mit unserer ganzen Ausdrucksweise (Gestik/Mimik) nicht so richtig zurecht, ausserdem waren wir ihm zu temperamentvoll.
In der Folgezeit konnte man so einiges wissenswertes, nützliches, bedingt durch das Rudelverhalten, dazulernen.
Als aber dann "Bella" in die Hitze kam, war es mit dem Rudelfrieden vorbei und wir beiden Wolfshundrüden wurden dann, auf Grund der dadurch entstandenen Differenzen, über ein paar Wochen getrennt von einander gehalten. "Bella" natürlich auch! In dieser Zeit war natürlich mit mir gar nicht viel anzufangen, bzw. umzugehen, legte mich mit allen an; selbst mit meinem Züchter, was der aber unter Kontrolle bekam. Zu aufmüpfig werden, das durfte wohl dann doch nicht sein! Musste mich dann erst mal wieder an anderen Sachen abreagieren. Da der Zwinger ja jetzt soweit gegen Schäden abgesichert war, blieb mir leider zum Unwohl meines Herrn nichts anderes mehr übrig, als zu versuchen die Box in dessen Jeep zu zerlegen. Da waren dann selbstverständlich auch wieder des öfteren Instandsetzungsmassnahmen angesagt.
Eines Tages fuhren wir dann in die Tschechei, um "Bella" decken zu lassen. Da es für mich schlecht möglich war alleingelassen zu werden, nahm man mich mit, wurde allerdings zu meinem Übel wieder über die ganze Zeit von der mittlerweile so gut riechenden "Bella" ferngehalten. Die Hündin wurde gedeckt, was ich ja selbst zustande gebracht hätte, aber nicht durfte -warum auch immer - . Na ja, auf jeden Fall war es eine schöne Zeit dort.
Als wir dann wieder zurück in Deutschland waren, wurde kurze Zeit später der DSH
"Zabu" an meinen Vorbesitzer abgegeben, wo er auch heute noch glücklich und zufrieden ist.
Endlich durfte ich nun ständig mit "Lobo" zusammen in der Wohnung bleiben, dort konnte man sich auch viel wohler fühlen und war mit seinem Herrn zusammen!
"Bella" war mittlerweile hochtragend und sollte nun wohl in kurzer Zeit Babys bekommen.
Als die dann da waren und es noch einen Wechsel im Rudel gab, ..................nun erst mal Schluss mit der Story......!
Man muss sich ja selbst langsam mal um Nachwuchs kümmern!
Chiko
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