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Ein oder zwei Worte über HD
Autor: MVDr. Jan Sterc, Übersetzung: Carmen (06.12.2001, 12:25 Uhr)
Gesundheit

Hüftgelenksdysplasie ist eine Krankheit, die durch eine Deformation des Hüftgelenks und des Oberschenkelkopfes verursacht wird. Sie passen nicht mehr zusammen, da die Hüftgelenkspfanne bei HD eine andere Form hat als der Oberschenkelkopf, daher wird das Gelenk instabil. Bei einem gesunden Gelenk sitzt der kugelförmige Oberschenkelkopf paßgenau in der Wölbung der Hüftgelenkspfanne. Bei einer Dysplasie ist die Verbindung nicht mehr so fest, der Oberschenkelkopf verliert teilweise die Verbindung zur Gelenkpfanne. Die Folge eines fortgeschrittenen Stadiums von HD ist Arthrose. HD trifft meistens große Rassen, aber im allgemeinen kann es jede Rasse treffen. HD ist keine angeborene Krankheit, sondern entwickelt sich während des Wachstums. Es gibt aber eine vererbliche HD Neigung. Die Entwicklung von HD hängt von individuellen Erbfaktoren (Form der Gelenke, Menge der Muskelmasse) und von Umweltfaktoren (die Wachstumsgeschwindigkeit, Fütterung, tägliche Belastung) ab. Eine US Studie zeigte, daß die Vererblichkeit der Neigung zur HD bei Deutschen SchäferHunden bei 74% und beim Labrador Retriever sogar bei 92% liegt. Dies wurde durch ein Penn HIP System für Hüftgelenksuntersuchungen entdeckt. Dieses System wird in den USA sogar für die Untersuchung von 16 Wochen alten Welpen benutzt. Eine andere Studie zeigte, daß HD negative Eltern 64-81% HD negative und 19-37% HD positive Nachkommen haben. Umgekehrt sind die Nachkommen von HD positiven Eltern zu 17-37% HD negativ und zu 63-93% HD positiv.

Alle Hunden werden ausnahmslos mit gesunden Hüftgelenken geboren, sogar die, die später an HD leiden. Die wichtigste Zeit für die Entwicklung der Hüftknochen sind die ersten zwei Monate, wenn die Gelenkverbindungen noch weich sind und hauptsächlich aus Knorpel bestehen. Knorpel werden erst später während des Verknöcherungsprozesses durch Knochen ersetzt. Die Instabilität der Hüfte entwickelt sich, wenn die Kraft, die auf die Knorpel ausgeübt wird, ihre Elastizität überschreitet. Unter normalen Bedingungen wird die Kraft auf die Oberfläche der Hüftknorpel beinahe senkrecht und nahezu zentral ausgeübt. Unter Belastung wird der Oberschenkelkopf einer instabilen Hüfte mehr zum vorderen äußeren Rand der Hüfte geschoben und nicht zum Zentrum, wie bei einer gesunden Hüfte. Die Folge ist eine Überbelastung des oberen Hüftrandes, die Gelenkpfanne wird flacher und die Entwicklung wird verlangsamt. Wenn wieder Druck auf den vorderen oberen Hüftrand ausgeübt wird, wird die Hüftgelenkspfanne jedesmal ein wenig flacher und der Oberschenkelkopf verliert seinen Halt. Am Ende dieses Kreislaufs gibt es verschiedene Grade von HD.

Wenn nur noch die Hälfte des Oberschenkelkopfes in der Gelenkpfanne gelagert ist, spricht man von Subluxation. Subluxation kann sich bis zur Luxation, die völlige Ausrenkung des Hüftgelenks, weiterentwickeln. Der Oberschenkelkopf verliert seine normale Form, weil der Druck der Gelenkpfanne ungleichmäßig ist.

Wenn der Oberschenkelkopf und die Gelenkpfanne unterschiedliche Formen haben oder die Hüfte geschwächt ist, ist der Druck auf die Knorpel unterschiedlich. Das führt zu einer Degeneration des Hüftgelenks. Die Knorpel werden verhärtet und porös und werden allmählich zerstört. Als Reaktion auf den Knorpelschwund werden die Knochen größer und dicker. Röntgenstrahlen können die Knorpelverhärtung in dem überlasteten Bereich sichtbar machen. Resultat des hervorspringenden Auswuchses des Hüftknochens ist die Entwicklung einer Exotose. Diesen Auswuchs findet man an den Verankerungen der Bänder zwischen dem Oberschenkelkopf und dem Oberschenkelhals. Wenn diese Wucherungen sich weiter entwickeln, wird durch sie der normalerweise kugelförmige Oberschenkelkopf pilzförmig. All diese sekundären arthritischen Veränderungen sind Erscheinungen eines degenerativen Vorgangs, den man Osteoarthrose nennt – im Fall von Hüftgelenksarthrose ist das Resultat eine Hüftdeformation.

Die exakteste Methode der HD Diagnose ist das Röntgen. Für ein zuverlässiges Urteil ist ein Röntgenbild von hoher Qualität nötig. Um Irrtümer zu verhindern, muß das Röntgenbild sicher beschriftet werden. Das Röntgenbild wird einem Tierarzt geschickt, der eine Genehmigung für die HD Diagnose der jeweiligen Rasse hat. Das minimale Alter für eine sichere Diagnose beträgt in der Tschechei 12 Monate, für große und übergroße Rassen 18 Monate. Es wird für die einzelnen Rassen von den Klubs oder Vereinen der Rasse bestimmt.

Die HD negativ Bescheinigung sollte nicht vor dem zweiten Lebensjahr ausgestellt werden. Der FCI legt das minimale Alter bei 12 Monaten und 18 Monaten für HD fest. Die amerikanische OFA hat das minimale Alter von 12 Monaten auf 24 Monate erhöht, weil sie herausgefunden haben, daß nicht alle Fälle von HD im Alter von 12 Monaten festgestellt werden können. Verschiedenen Autoren stellten in einigen Arbeiten fest, daß die Röntgenstrahlmethode im Alter von 12 Monaten nur 66% der HD positiven Hunden entdeckt, wohingegen im Alter von 18 Monaten 84% der HD positiven Hunden entdeckt werden. Im Alter von 24 Monaten werden 94% der HD positiven Hunden diagnostiziert.

Bei der Röntgendiagnose werden ventrolaterale Aufnahmen benutzt, hier liegt der Hund auf dem Rücken und seine Hinterbeine werden gleichmäßig nach hinten ausgestreckt. Eine gute Position kann man durch einen V-förmigen Tisch erreichen. Muskelentspannung wird durch eine Narkose erreicht. Das Röntgenbild muß Becken, Kreuzbein und Oberschenkelknochen mit den Kniegelenken erfassen. Für eine korrekte Beurteilung muß das Bild symmetrisch sein (schlechte Ausrichtung kann eine Fehldiagnose verursachen). Die Röntgendiagnose basiert auf der Beurteilung des Grades der Subluxation und des Vorhandenseins sekundärer arthrotischen Erkrankungen. Der Grad der Subluxation wird durch die Form und Breite der Hüftspalte, der Position der Mitte des Oberschenkelkopfes zum oberen Rand der Gelenkpfanne und durch den Norberg-Olsson-Winkel bestimmt.

Auf der Basis dieser Kriterien erstellte die wissenschaftliche Kommission eine Einstufungstabelle, die die HD Neigung in fünf Grade einteilt. Die FCI Tabelle wurde 1993 derart geändert, indem die verschiedenen Grade von HD mit den Buchstaben A-E benannt wurden. Abgesehen von dieser Tabelle existieren noch einige andere Tabellen überall auf der Welt. Da ist die US OFA Tabelle, das Britische und Schweizerische Registrierungssystem und die Schwedische HD Tabelle.

In der Tschechei wird eine angepaßte Tabelle benutzt. Der Grad der HD Neigung wird mit den Ziffern 0-4 angegeben, wobei 0 HD negativ ist, 1 ist eine Übergangsform, 2 bedeutet leichte HD, 3 bedeutet mittlere und 4 schwere HD. Medizinische Symptome wie problematisches Aufstehen des Hundens, Unwilligkeit, sich zu bewegen und Hinken, das nach Belastung schlimmer wird, müssen nicht immer mit der Röntgenuntersuchung übereinstimmen.

HD ist eine Erbkrankheit, die durch gegenseitige Beeinflussung mehrerer Erbfaktoren bedingt ist. Die Umwelt spielt dabei eine bedeutende Rolle. Aufgrund ihrer komplizierten genetischen Basis ist es unmöglich, diese Krankheit trotz der Bemühungen der Züchter auszurotten. Aber mit kontinuierlichen züchterischen Anstrengungen kann ihr Auftreten wesentlich reduziert werden.

MVDr. Jan Sterc, MVDr. EVA Stercova

Schema eines Röntgenbildes in ventrolateraler Position

 

 

Ventrolaterale Röntgenaufnahme einer gesunden Hüfte

Der Spalt ist schmal, die Oberfläche ist kongruent. Der Oberschenkelkopf ist idealerweise kugelförmig, die Gelenkpfanne ist tief genug, damit die Hälfte des Oberschenkelkopfes hineinpaßt.

A– Hüftgelenkspfanne  B – vorderer Rand der Gelenkpfanne  C – vorderer und lateraler Rand der Gelenkpfanne  D –Oberer Rand der Gelenkpfanne  E – kaudaler Rand der Gelenkpfanne

 

  HD Hüfte

Die Randspalte ist breiter, die Gelenkoberflächen haben nicht die gleiche Form, die Mitte des Oberschenkelkopfes ist außerhalb des oberen Randes der Gelenkpfanne, der frontale Bereich der Gelenkpfanne wird flacher und die Knorpelverhärtung ist sichtbar.

 

HD Hüfte mit Arthrose Symptomen 

A – Knochenauswuch auf dem vorderen lateralen Rand der Gelenkpfanne  B – Abnutzung des vorderen lateralen Randes C – breite „geteilte“ Gelenkspalte  D – Knochenauswuchs an der Basis der Gelenkpfanne  E – „Kragen“ eines Knochenauswuchses im Bereich des Oberschenkelkopfes und des Oberschenkelhalses  F – Knochenauswuchs entlang der oberen Kante des Oberschenkelhalses

 

HD Gelenk mit degenerativen Veränderungen 



 
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