Nun waren wir also in der Slowakei. Am Sonntag,
den 4. Juli 2000, fand die "Europäische Ausstellung des Tschechoslowakischen
Wolfshundens" in Nitra, Slowakei, statt, die vom Slowakischen Klub des Tschechoslowakischen
Wolfshundens organisiert wurde. Ing. Monika Soukupova war als Richterin eingeladen.
Ich war sehr überrascht über einige Dinge auf dieser Ausstellung und möchte
Ihnen meine Erfahrungen mitteilen. Aber zunächst möchte ich noch darauf hinweisen,
daß ich weder Genetiker, Tierarzt noch Kynologe bin. Alles, was ich hier niederschreibe,
ist nur meine Meinung als Laie.
Als erstes wunderte ich mich, daß auf dieser
Ausstellung, welche für die Rasse wohl die wichtigste in der Slowakei überhaupt
ist, keine Mitglieder des Vorsitzes des Slowakischen Klubs anwesend waren
(außer Frau Kollarova), obwohl sie am Samstag alle dort waren (am Samstag
fand die Internationale Hundenausstellung statt). Auf einer Hundenshow dieser
Größe sollte man doch normalerweise annehmen, daß nicht nur Hundenbesitzer
anwesend sind, sondern auch der Vorsitz des Klubs. Oder wollten sie sich nicht
mit uns treffen ?
Es waren viele Hunden da (mehr als 20), aber
nur einer aus dem Ausland (Edit Molnar aus Ungarn). Es war niemand aus anderen
Ländern präsent, was mich darüber nachdenken ließ, ob diese Ausstellung den
Namen "Europäische Ausstellung" verdient hat, da es doch praktisch nur eine
Klubshow des Slowakischen Klubs war. Wäre es nicht besser auf den Boden der
Tatsachen zu bleiben und nicht zu versuchen, etwas vorzugeben, was nicht möglich
ist?
Ich war sehr enttäuscht über die Qualität der
vorgeführten Hunden. Natürlich waren dort auch sehr schöne und gute Tiere,
aber mehr als die Hälfte der Hunden machten mich traurig. Auf den ersten Blick
sah es so aus, als ob die Besten der Rasse vorgeführt werden - kurze Ohren
und Ruten, perfekte Masken, Standardaugenfarbe usw. Als ich jedoch näher hinschaute
bemerkte ich, daß etwas nicht stimmte. Zuerst dachte ich, daß die Hunden nur
in schlechter Verfassung wären, aber nach ein paar Diskussionen mit den Besitzern
stellte ich fest, daß das nicht die Ursache war. Aber was kann dann sonst
so schwache Körperkonstitution, geringe Höhe und geringe Bemuskelung verursachen
?
Ich wunderte mich auch, daß weniger Hündinnen
gemeldet waren, als ich sah. Zu meiner Überraschung waren viele dieser "Hündinnen"
in Wirklichkeit Hunden mit nur einem Fehler - sie haben keine Geschlechtsmerkmale.
Langsam fing ich an zu begreifen.
Dann bekam ich den Stammbaum von einem Hund
in die Hände und fand die Wurzel des Übels - Inzucht. Lassen Sie sich nicht
täuschen, Sie werden nirgends etwas über Inzucht lesen. Dieses Problem in
der Hundenzucht (nicht nur beim Tschechoslowakischen Wolfshund) versteckt
sich hinter verschiedenen Namen. Meistens wird es als "Linienzucht" bezeichnet.
Unglücklicherweise haben unsere slowakischen Freunde aus den Fehlern der Vergangenheit
nichts gelernt (wir alle kennen das Problem "Rep z PS") und wiederholen sie
bis heute.
Das Tragischste für mich war, als ich feststellen
mußte, daß die meisten Züchter, mit denen ich auf der Ausstellung gesprochen
habe, von der "Linienzucht" überzeugt sind und daß sie es als einzig richtigen
Weg in der Hundenzucht ansehen. Ich hörte auch die unglaubliche Meinung, daß
Inzucht die Hunden genetisch bereichert. Aber die Auswirkungen der "Linienzucht"
sind schon da. Abgesehen von den oben erwähnten Anzeichen im Exterieur der
Hunden sinkt die Zahl der zur Zucht zugelassenen Hunden, und das Schlimmste
ist, die Anzahl der Würfe ebenso. Die Situation scheint so schlimm zu sein,
daß bei den Körungen der Standard einfach ignoriert wird (schauen Sie sich
die Ergebnisse der Körung vom 14. August 1999 an, sie wurde im Bulletin 3/99
erwähnt, dort wurde ein Tier mit 58 cm Höhe zur Zucht zugelassen!).
Jetzt weiß ich, warum es schon seit langer
Zeit unmöglich ist, an Daten über die slowakische Zucht heranzukommen und
warum sogar der Vorsitz unseres Klubs keine Daten hat. Das Geheimnis würde
sonst gelüftet werden. In dieser Situation wäre es nur logisch sich anderen
Ländern zu öffnen und maximalen Gebrauch von der Zucht mit "frischem Blut"
zu machen. Aber der Vorsitz des Slowakischen Klubs wählte genau den entgegengesetzten
Weg. Er hat eine Verordnung getroffen, die es verbietet, fremde Hunden zur
Zucht zu benutzen. Ungeachtet dessen versuchen manche vernünftige Züchter
ihre Hündinnen im Ausland decken zu lassen und die Erlaubnis dafür von ihrem
Klub zu erhalten, aber bislang ohne Ergebnis.
So laßt uns hoffen, daß nächstes Jahr in Nitra
der Slowakische Klub zur Vernunft kommt und daß der Garant der Rasse als gutes
Beispiel in Sachen qualitativer Zucht vorangeht.
Pavel Hanuska
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