Nun ja, mittlerweile waren wir schon fast fünf Wochen alt und wurden jetzt in die angrenzende Zwingeranlage verlegt. Ein solcher Zwinger hat eine Gesamtgröße von 18m², mit abgeschlossenem, isoliertem Innenraum und direkt anschließendem Aussenauslauf. Dieser wird zusätzlich noch von einem eingezäunten Garten umfasst.
Wir waren zwar vorher schon stundenweise daran gewöhnt worden, aber so für unbedingt passend hielt das wohl keiner von uns Sieben. Unsere über alles geliebte Höhle war weg, es war hier viel kälter, eben auch durch die herbstliche Jahreszeit bedingt.
Wenn man nach draussen ging regnete es ab und zu, was wir anfangs gar nicht für gut empfanden. Ausserdem lief direkt unterhalb des Gartens eine Strasse vorbei, wo immer mal wieder so komische, auf vier Räder sich bewegende, stinkende und lärmende Teile vorbeirollten. Überhaupt wurde da draussen durch alles nur menschenmögliche viel Lärm verursacht. Da war uns doch das schon seit Wochen laufende Radio im Zwinger viel vertrauter.
Aber da wir ja Wolfshunde sind und mit allen nur möglichen Umwelteinflüssen klarkommen sollten (sollen), war dies alles nach kurzer Zeit im grossen und ganzen für uns kein Problem mehr. Von unserem Züchter bekamen wir gesagt, dass dies alles zur Prägungsphase dazu gehört, was auch immer das für den Einen oder Anderen bedeutet!
Zu unserer Mutter kamen wir dann auch immer seltener; da wir schon selbst fressen konnten, war das auch gar nicht so schlimm. Im Gegenteil, für unsere Selbstständigkeit um so besser!
Direkt neben uns waren auch einige von den erwachsenen Hunden untergebracht; der andere Teil davon im Wohnhaus, welches wir dann abwechselnd nach und nach auch kennenlernen durften. Natürlich kamen auch die erwachsenen Hunde regelmäßig mit uns in Kontakt, sodass immer wieder verschiedene Erziehungsmaßregeln gegeben waren. So hatten wir die Möglichkeit sehr viel Neues und Nützliches zu lernen - zu begreifen!
Unser Züchter hatte natürlich jetzt so richtig viel Arbeit mit uns, bedingt dadurch, dass wir nun in der Zwingeranlage untergebracht waren. Bisher hatte uns unsere Mutter ja tipp-topp sauber gehalten, unsere Häufchen und Pipies entsorgt. Da war nun ganz schön Arbeit angesagt, hauptsächlich morgens früh. Wir wurden dann nach draussen in den Aussenzwinger gelassen, wo unser Frühstück schon fertig vorbereitet auf uns wartete. Das hatten wir natürlich innerhalb kürzester Zeit verputzt; dann immer erst mal lautes Geschrei, weil wir - bevor der Innenzwinger nicht sauber war - noch draussen bleiben mussten. Langsam sollten wir nun lernen, den inneren Zwinger etwas mehr sauber zu halten, was natürlich noch nicht so gut funktionierte. Dann gab es manchmal schon ganz schön Schimpfe und wir wurden nach draussen gejagt.
Na gut, wir erlebten in der folgenden Zeit alles nur mögliche. Da etwas nebenan sich ein Jugendraum befand, war fast jeden Abend Besuch vorprogrammiert. So wurde oft mit uns gespielt und wir hatten ständig Kontakt; alles wieder Prägungsphase!
Es war manchmal ganz schön was los, aber Nachmittags über hatten wir dann doch mehr Ruhe. Dann fuhren wir mit unserem Züchter zu einem, ausserhalb des Orts gelegenen, wunderschönen Freigehege von ca. 6000m² Größe. Das Gehege war in vier Ausläufe unterteilt, mit eigenem Übungsplatz, der aber für uns natürlich noch nicht in Frage kam. Wir hatten einen extra für uns angelegten Welpenauslauf zur Verfügung und das ganze war fast mitten in der Natur gelegen, wenn nicht gerade ca. 100m unterhalb des Geheges wieder so eine blöde Strasse gewesen wäre. Na gut, egal.
Manchmal war es jetzt schon ganz schön kalt und feucht. Wir hatten mittlerweile schon fast Ende November und es hatte geschneit. Aber wie wir Wolfshunde so sind kann uns ja bekannterweise Schnee und Kälte nichts anhaben, ausserdem hatten wir einen Unterschlupf zur Verfügung.
Die restlichen Tage vergingen; wir wurden dann nochmal mit Tabletten entwurmt und natürlich noch geimpft. Der Besuch beim Tierarzt wurde von uns unproblematisch überstanden.
Dann aber kam die Wurfendabnahme. Der Zuchtwart lies sich mal wieder sehen, aber diesmal brachte er noch eine Tätowierzange mit.
Jeder einzelne von uns Welpen wurde nun ganz genau begutachtet, das Gebiss kontrolliert, bei den Kerls die Hoden überprüft, usw.
Dann die Tätowierung, wo uns mittels dieser komischen Zange eine Nummer ins rechte Ohr gedrückt wurde. Gut, dies war ja noch halb so wild, nur die danach einmassierte grüne Farbe verursachte bei dem einen oder anderen schon ein böses Brennen und lautes Geschrei. Nachher waren wir dann alle ein wenig beleidigt und stur.
Dann wurden noch so einige Papiere zwischen Zuchtwart und Züchter fertig gemacht und nun konnten wir wohl abgegeben werden.
In den nächsten Tagen erfolgte dann auch die Abgabe. Einige meiner Geschwister gingen schon vor mir, die anderen sind wohl teils noch einige Zeit länger geblieben. Über meine Brüder und Schwestern werde ich wie schon erwähnt zu gegebener Zeit noch berichten.
Ich wäre wohl am besten, von Anfang an, ganz daheim geblieben!!
Nun war ich aber in Chemnitz!.........
Wird fortgesetzt im zweiten Teil
Chiko
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